> Zurück

Es liegt immer an der Kohle!

MS&IW 07.07.2019
Es liegt immer an der Kohle!  
 
Um 5 Uhr morgens ging der Himmel über dem Kanton Zürich nieder. Sturm und Blitze im Sekundentakt. Und prompt kam die erste regenbedingte Absage. Ein Blick auf den Regenradar versprach baldige Beruhigung. Judith bestätigte die Tour, und so rollte ich mich auf die andere Seite und gönnte mir noch eine halbe Stunde Schlaf vor dem Aufstehen. Um acht Uhr bei der Bäckerei Kuhn in Zürich-Leimbach schien bereits wieder die Sonne. Ruhig und vorausschauend fuhr Judith mit Sandra und mir via Bützen, wo die Störche auf dem Dach nisteten, an der Holzbrücke Sins-Hünenberg vorbei nach Wolhusen. Die perfekte blaue Tour.   
 
 
 
 
Südlich von Wolhusen kreuzten wir
die Emme und stiegen in die Höhe. Über kleine Strassen mit immer wieder toller Aussicht führte uns Judith nach Romoos zum Köhlermuseum, wo wir die wandelnde Dorfchronik Herrn Duss trafen. Es folgte ein kurzer Austausch der Stammbauminformationen zwischen Duss und Schmid: welche Cousine welchen Duss heiratete, welcher Cousin mit welchem Sohn zusammen in Beromünster in der Schule war und mehr. Erst mit diesem für Aussenstehende völlig unverständlich Wortwechsel begriff ich, dass unsere Tourleiterin Judith eine waschechte Entlebucherin ist, die uns durch ihre Stammlande führt. Item: das Vertrauen unter Entlebuchern war nun etabliert, und Herr Duss, seines Zeichens Sekretär des Köhler-Verbandes, startete mit seinen Erzählungen zum Köhlerwesen in Romoos. Präzise wird das Holz gestapelt, mit Tannenreisig und Löschi fast luftdicht ummantelt und angezündet. Durch den Luftmangel verbrennt das Holz eben nicht, sondern wandelt sich zu Kohle. Faszinierend, wie dieses uralte Handwerk Jahrhunderte überlebt hat. Noch überlebt hat, muss man sagen. Denn erstens kämpfen die Köhler mit Nachwuchssorgen. Und zweitens liegt’s im übertragenen Sinn an der Kohle: den Schweizern liegt das Portemonnaie näher als der Gedanke an die Herkunft des Brennmaterials, und so wird immer häufiger zu ausländischer Kohle gegriffen. Also: wer das nächste Mal Grillkohle kaufen geht, soll sich überlegen, ob diese aus Namibia oder Südamerika kommen soll, oder doch lieber von Otto’s Warenposten aus Romoos.  
 
 
Via Entlebuch fuhren wir ins Kurhaus Heiligkreuz, ebenso lecker wie günstig und heimelig. Der Regenradar zeigte ab 15 Uhr einzelne Regenzellen, aber in Heiligkreuz schien noch die Sonne. Judith führte uns wieder runter zur Hauptstrasse und südlich von Schüpfheim – Schüpfe – nach Querung der Waldemme die kleine Chratzerestrasse den Berg hoch. In der Höhe ergaben sich wieder weitläufige Ausblicke ins Tal. Spannende Wegweiser gibt es ebenfalls: so scheint es oberhalb von Schüpfheim tatsächlich eine Sternwarte zu geben. Sandra und ich haben uns die Weiler nicht gemerkt, sondern genossen die fantastische Aussicht, gondelten hinter Judith her und vertrauten auf ihre Ortskenntnis. Bei der Farbbrügg in Entlebuch kamen wir auf die Hauptstrasse zurück, nahmen die Abkürzung über Rengg mit Blick auf eine eindrückliche aber ferne Regenwolke und fuhren zum Sundowner ins ACE-Café. Den morgendlichen Kneiferinnen sage ich nur drei Worte: Keinen Tropfen Regen! Keinen einzigen!! Den ganzen Tag lang nicht... ;-)  
 
Liebe Judith, danke für einen tollen Tag im Entlebuch und für deine super Führung! Das war die erste von hoffentlich ganz vielen Tourenleitungen durch dich. Die nächsten Tourideen sind ja schon im Line-Up: Offroad nach Kemmeriboden, Töffkettenglieder zu Messer schmieden, mit Sandra zur Linde Linn... :-)
 
Myriam / 2019